PSALM - for future | © Werner Kmetitsch

PSALM - for future

zu Ostern in Graz
5. bis 13. April 2020



Es liegt in der Natur der Sache, dass es die jungen Leute sind, die für unsere Zukunft auf die Barrikaden steigen. Aber so wie momentan Tausende von SchülerInnen Freitag für Freitag für ein Umdenken und einen behutsamen Umgang mit unserem geschundenen Planeten Erde auf die Straße gehen und sich „for future“ einsetzen, das hat dennoch eine neue, sehr beeindruckende Qualität. PSALM hat sieben Angelpunkte in der Geschichte und im Menschenleben festgemacht, an denen es um Umkehr, Hinwendung zum Besseren, um einen neuen Anfang – den Urgrund für das christliche Oster-, aber auch das jüdische Pessachfest – geht und ging. Und PSALM stellt diese Momente in wunderschönen musikalischen Programmen auf die Bühne. Alle sieben finden (mit Einführungen jeweils um 18.40 Uhr im Foyer) in der Helmut List Halle statt – und zwar von Palmsonntag, dem 5. April, bis zum Ostermontag am 13. April.

 

Zum Auftakt des Festivals am Palmsonntag, dem 5. April, kommt Vladimir Ivanoff wieder nach Graz und wird mit seinem Ensemble Sarband gemeinsam mit dem frisch preisgekrönten Hib.art.chor aus Graz auf den Spuren des Heiligen Franz von Assisi wandeln. Ihm ging es um die Abkehr vom Luxus und die Hinwendung zu einem einfachen Leben. Seinen Zeitgenossen brachte er diese Botschaft in einfachen Worten und in anschaulichen theatralischen Inszenierungen nahe, wie im von Ivanoff rekonstruierten Palmsonntagsspiel „Laudes Palmarum“. Der Prozessionszug zum Einzug Jesu in Jerusalem und sein Wirken wird von bewegender Musik aus dem 14. Jahrhundert sowie von Esel und Lämmern begleitet. Ein Teil des Publikums kann sich den umherziehenden Ensembles palmwedelbeweht anschließen.

Ostern liegt terminlich nicht umsonst im Frühling. Alles ist auf Neubeginn, auf Aufbruch und Frische eingestellt. Und so hat der Mensch in Reaktion auf die sprießende Natur immer schon ganz eigene Rituale und Feste erfunden, um den Frühlingsbeginn zu feiern und die Kräfte der Natur positiv zu beeinflussen. Miriam Andersén und ihre Freunde sind genau die Richtigen, um uns mit „Frühlingssegen, Frühlingssagen“ aus Skandinavien, aus Irland und dem Alpenraum bekannt zu machen. Und sie bringen dafür am 7. April ihre klaren Stimmen, Kuhhorn, Holzschuhgeige, Schlüsselfidel und noch viel mehr mit – ein archaisches Ritual.

Unbändiger Überlebenswille und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft trotz aller Unterdrückung wohnen dem jüdischen Volke offenbar sei Urzeiten inne. Dies schlug sich in der jüdischen/jiddischen Literatur immer wieder nieder. So liest uns am 8. April Miguel Herz-Kestranek aus verschiedenen Werken vor, unter anderem vom „Fiddler on the Roof“, dem unerschütterlichen Milchman Tewje aus Anatevka, der unter Tränen lacht und scherzt und dem Schicksal immer wieder sein „Trotzdem“ entgegensetzt. Die grandiosen israelischen Klarinetten-Zwillinge Gurfinkel lassen dazu die Musik des ostjüdischen Stetls aufleben.

Aus der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs erwuchs in Westdeutschland in den 50er-Jahren eine ganz neue und unglaubliche Kultur: die des Konsums, die uns heute genau unsere sattsam bekannten Umwelt-Probleme beschert. Trautes Heim, Lebensfreude, Reiselust – dieser ungewöhnliche Aufbruch ließ das Leben neu und glückverheißend erscheinen und wurde von den Schlagern der Zeit in unvergessliche Melodien gepackt. Eddie Luis und Die Gnadenlosen präsentieren die Songs von Peter Alexander, Conny Froboess und Co., Rosi Degen von den Rabtaldirndln moderiert „Alles auf Anfang“ am 9. April.

Die Klagen zweier Mütter bestimmen im heurigen PSALM-Festival den Karfreitag am 10. April: Ismael Barrios nimmt unmittelbar Bezug auf die „Fridays for future“-Bewegung, indem er gemeinsam mit seinen musizierenden, indianischen Freunden „Madre tierra“, auf Quechua Pachamama, zu Deutsch Mutter Erde, beschwört, die in Südamerika ihr verletztes Kind, den in Brand stehenden Regenwald beweint. Und auf der anderen Seite steht Maria, Jesu Mutter, am Kreuz ihres Sohnes und beweint diesen in den denkbar schönsten Tönen: in Pergolesis „Stabat mater“, ausgeführt von Michael Hells neuem Ensemble ĀRT HOUSE 17 sowie den Sängerinnen Gemma Bertagnolli und Ida Aldrian.

Im „Lied von der Erde“, einer Komposition von klangsatter Schwermut und leichter Eleganz, in der Leben und Tod wie Geschwister nebeneinanderstehen, zeigt uns Gustav Mahler den Menschen, der an seinem Ende in die immerwährende Natur entschwindet – sollten wir sie nicht irgendwann total zugrunde gerichtet haben. Stephanie Houtzeel, Markus Schäfer und ein Solistenensemble des Orchesters recreation unter Florian Groß werden jedenfalls mit Herzblut dazu beitragen, dass wir im PSALM ergriffen den Schönheiten der Mahler’schen Klänge erliegen: im „Lied von der Erde“ und im Adagietto aus der 5. Symphonie (12. April).

Zum Finale am Ostermontag treten ganz junge Proponenten der heutigen Popmusik an, um einen Blick zurückzuwerfen auf die Zeit der Hippies und ihre Forderungen nach Love, Peace and Happiness, aber auch auf den Kampf um Anerkennung der schwarzen Bevölkerung Amerikas oder die Anti-Atom-Proteste. Anna Heimrath und Thomas „Effi“ Petritsch verlassen sich bei den Songs von John Lennon bis Bob Marley auf die Arrangements des Grazer Tausendsassas Raphael Meinhart und den phänomenalen instrumentalen Sound seiner Band: zu hören am 13. April bei „All You Need is Love“.

 
Karten und Informationen zum Festival sind ab sofort im styriarte Kartenbüro erhältlich. www.psalm.at hält alle wichtigen Informationen bereit. Die Kartenpreise liegen bei EUR 46,00 und 26,00, Halbpreis für unter 27-Jährige. Für Vielbucher steht nach wie vor das vorteilhafte Viererabo (vier Veranstaltungen nach Wahl zu 106,00 Euro) zur Verfügung. Mit einem Budget von rund 200.000 Euro werden für das Festival etwa 5.000 Tickets angeboten.

 

 

Weitere Infos zur Veranstaltung

 

 

Karten und Informationen:
styriarte Kartenbüro
Sackstraße 17, 8010 Graz
Tel.: +43 316 825000
Mail: tickets@styriarte.com
Web: www.psalm.at


Beitrag von: www.weinblattl.at